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Die Kopflose von Wieting

Die Frauenstatue aus Marmor

Kirchplatz,9374 Wieting

Die Statue sitzt am zentralen Platz vor der katholischen Pfarrkirche Wieting, die der Hl. Margareta geweiht ist

Ganz glattpoliert sind Oberschenkel und Knie der riesigen, marmornen Sitzstatue – von vielen Generationen an Frauen, die sich draufsetzten und daran hinunter rutschten, in der Hoffnung auf Mutterschaft. Heute thront die überlebensgroße Frauenstatue ohne Kopf und Hände prominent am Kirchplatz in Wieting. Gefunden wurde sie Ende des 19. Jahrhundert im örtlichen Bachbett, wo sie viele Epochen lang geschlummert hatte.

Isis-Noreia, hilf!

Eine Isis-Noreia-Statue! Da waren sich die Finder damals sicher. Die keltische Göttin und Landesmutter des Noricums galt unter anderem als die höchste Instanz für Fruchtbarkeit. Wer reichen Kindersegen wollte, suchte Noreia-Quellen auf, junge Frauen zwängten sich durch so genannte „Frauenluken“, also Loch-Felsen, um eine Schwangerschaft zu erbitten. Oder man suchte eben Noreia-Rutschen auf: Oft wurde Isis-Noreia als Statue im Sitzen dargestellt, also war es möglich, über ihren Schoß zu rutschen.

Eine echte Görtschitztalerin

Es hätte gut gepasst: Ein weithin sichtbares Isis-Noreia-Denkmal mitten im Görtschitztal, einem Landstrich, wo schon die Kelten das norische Eisen verhütteten und viele die sagenumwobene Stadt Noreia vermuten. Letztlich stellte sich allerdings heraus, dass es wohl keine Fruchtbarkeitsgöttin war, die da in Wieting gefunden worden war. Vielmehr handelt es sich um eine römerzeitliche Grabsitzstatue einer einheimischen Frau. Die marmorne Abbildung einer Ur-Görtschitztalerin, sozusagen.

Dem Fruchtbarkeitskult tat das freilich keinen Abbruch. Auf ihrem Schoß wurde einfach weiterhin fröhlich drauflos gerutscht, hin und wieder sieht man das sogar noch heute. Und wer weiß? Womöglich hilft’s trotzdem...